Parasomnien

| Definition | Unerwünschte motorische, verbale, sensorische oder vegetative Vorkommnisse im Schlaf |
|---|---|
| Häufigkeit | Kindheit: bis 40 %, Erwachsene: 4–5 % |
| Hauptformen | NREM-Parasomnien, REM-Parasomnien, sonstige |
| NREM-Beispiele | Schlafwandeln, Nachtangst, Confusional Arousals |
| REM-Beispiele | Albträume, REM-Schlaf-Verhaltensstörung, Schlafparalyse |
| Wichtig | In Kindheit meist harmlos; bei Erwachsenen ärztlich abklären |
Welche Arten von Parasomnien gibt es?
Die Schlafmedizin teilt Parasomnien nach dem Schlafstadium, in dem sie auftreten:
NREM-Parasomnien (aus Tiefschlaf, meist erste Nachthälfte):
- Schlafwandeln (Somnambulismus): Aufstehen, Umhergehen, manchmal komplexe Handlungen — bei voller Bewusstlosigkeit
- Pavor nocturnus (Nachtangst): plötzliches Aufschrecken mit Schreien, vegetativer Erregung; vor allem bei Kindern
- Confusional Arousals: verworrenes, desorientiertes Wachsein
- Schlafbezogenes Essen (SRED): Aufstehen und Essen während des Schlafs
REM-Parasomnien:
- Albträume: lebhafte negative Träume mit Erinnerung — siehe eigener Eintrag
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD): Ausagieren von Träumen wegen fehlender Muskelatonie — wichtige Frühwarnung für Parkinson
- Schlafparalyse: kurzzeitige komplette Lähmung beim Ein- oder Aufwachen
Sonstige Parasomnien: Bruxismus (Zähneknirschen), Bettnässen, schlafbezogenes Stöhnen, exploding head syndrome.
Was sind die häufigsten Auslöser?
- Schlafmangel und unregelmäßiger Rhythmus — größter Trigger
- Stress und emotionale Belastungen
- Fieber bei Kindern
- Alkohol und manche Medikamente (Z-Substanzen, Antidepressiva)
- Andere Schlafstörungen: Schlafapnoe, RLS
- Genetische Veranlagung: gehäuft in Familien
- Volle Blase oder Schmerzen können NREM-Parasomnien triggern
Wann sind Parasomnien gefährlich?
Bei Kindern bis zur Pubertät sind die meisten NREM-Parasomnien harmlos und verschwinden spontan. Ärztliche Abklärung ist sinnvoll bei:
- Häufigem Schlafwandeln mit Verletzungsgefahr
- Erstmaligem Auftreten im Erwachsenenalter (oft sekundär)
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung (Frühzeichen Parkinson!)
- Häufigen, sehr belastenden Albträumen (PTBS?)
- Stark belastetem Bettpartner
- Tagesmüdigkeit als Folge
Was hilft gegen Parasomnien?
- Schlafhygiene und Stressreduktion — Basis für alle Parasomnien
- Bei Schlafwandeln: Schlafzimmer kindersicher (Türen verriegeln, scharfe Gegenstände wegräumen)
- Geplante Weckungen 15 Min. vor typischer Episodenzeit bei häufigem Schlafwandeln
- Albträume: Imagery Rehearsal Therapy (IRT)
- REM-Verhaltensstörung: Clonazepam oder Melatonin (hochdosiert)
- Bruxismus: Aufbissschiene vom Zahnarzt
- Schlafapnoe behandeln falls Komorbidität
Häufige Fragen zu diesem Begriff
Sind Parasomnien bei Kindern gefährlich?
Meist nicht. Bis zu 40 % aller Kinder erleben Schlafwandeln, Nachtangst oder Bettnässen — die meisten wachsen heraus. Wichtig: das Kind nicht wecken, sondern beruhigend zurück ins Bett begleiten und das Schlafzimmer sicher machen.
Erinnert man sich an Schlafwandel-Episoden?
Nein. Das ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu REM-bezogenen Phänomenen: Schlafwandeln entsteht aus dem Tiefschlaf, das Bewusstsein ist komplett ausgeschaltet. Wer sich erinnert, hatte vermutlich keinen klassischen Schlafwandel.
Was ist die REM-Schlaf-Verhaltensstörung genau?
Im normalen REM-Schlaf sind die Muskeln gelähmt. Bei der RBD ist dieser Schutz aufgehoben — Betroffene agieren ihre Träume motorisch aus (schreien, schlagen, springen). Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch ein Frühwarnzeichen: 80 % entwickeln innerhalb von 10–15 Jahren eine Parkinson-Erkrankung.
Können Erwachsene plötzlich anfangen, schlafzuwandeln?
Ja, aber dann meist mit einem auslösenden Faktor: Schlafmangel, Stress, Alkohol, neue Medikamente (besonders Z-Substanzen wie Zolpidem). Auch Schlafapnoe kann Schlafwandeln triggern. Ärztliche Abklärung ist sinnvoll.
Darf man Schlafwandelnde wecken?
Lieber nicht. Wer aus dem Tiefschlaf gerissen wird, ist 10–30 Minuten lang verwirrt und desorientiert (Schlafträge). Besser: sanft am Arm berühren, ruhig zum Bett zurückführen, ggf. Hand führen. Schlafwandelnde sind nicht „willens“, sondern unbewusst — Diskussionen sind sinnlos.