Rhythmus

Jetlag

Papierschnitt-Illustration: zwei zunächst deckungsgleiche Bänder driften nach rechts immer weiter auseinander — Sinnbild für den Jetlag
Jetlag ist die vorübergehende Schlafstörung nach Flugreisen über mehrere Zeitzonen. Die innere Uhr ist noch auf die ursprüngliche Zeit eingestellt, die neue Umgebung tickt aber bereits in einer anderen — Folge: Schlafprobleme, Müdigkeit, Verdauungsstörungen.
Auf einen Blick
AuslöserReise über mind. 2–3 Zeitzonen
UrsacheDiskrepanz zwischen innerer Uhr und Ortszeit
DauerEtwa 1 Tag Erholung pro überquerter Zeitzone
SchlimmerOstflüge (Tag wird kürzer) als Westflüge
HauptsymptomeSchlafstörungen, Tagesmüdigkeit, Verdauungsprobleme, Konzentrationsschwäche
Wirksamste HilfeTageslicht, Mahlzeitenrhythmus, ggf. niedrig dosiertes Melatonin

Wie entsteht Jetlag?

Der menschliche Körper folgt einem circadianen Rhythmus mit einer Periode von etwa 24 Stunden, gesteuert vom suprachiasmatischen Kern im Hypothalamus. Dieser Rhythmus regelt nicht nur den Schlaf-Wach-Wechsel, sondern auch Körpertemperatur, Hormonspiegel (vor allem Melatonin und Cortisol), Verdauung, Stimmung und kognitive Leistung.

Wenn ein Flug über mehrere Zeitzonen den Tag-Nacht-Wechsel plötzlich verschiebt, kommt es zu einem internen Konflikt: Der äußere Zeitgeber (Licht, Mahlzeiten, soziale Routinen) sagt eine andere Uhrzeit als die innere Uhr. Der Körper braucht Zeit, sich neu zu synchronisieren — etwa ein Tag pro überquerter Zeitzone, manchmal länger.

Warum ist Ostflug schlimmer als Westflug?

Die innere Uhr läuft beim Menschen natürlicherweise etwas länger als 24 Stunden — typischerweise 24,2 Stunden. Das bedeutet: Der Körper kann sich leichter an einen längeren Tag anpassen (Verschiebung nach hinten) als an einen kürzeren Tag (Verschiebung nach vorn).

  • Westflug (z. B. Deutschland → USA): Der Tag verlängert sich, man bleibt einfach länger wach. Erholung typischerweise 1 Tag pro Zeitzone.
  • Ostflug (z. B. Deutschland → Japan): Der Tag verkürzt sich, man muss früher schlafen — was deutlich schwerer fällt. Erholung 1–1,5 Tage pro Zeitzone.

Diese Asymmetrie ist konsistent in Studien belegt und sollte bei Reiseplanung beachtet werden — besonders bei wichtigen Terminen oder Wettkämpfen.

Welche Symptome hat Jetlag?

  • Schlafstörungen: Schwierigkeiten beim Einschlafen oder vorzeitiges Aufwachen
  • Tagesmüdigkeit mit ungewöhnlicher Verteilung über den Tag
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Magen-Darm-Beschwerden: Verstopfung, Durchfall, Appetitlosigkeit
  • Kopfschmerzen, leichtes Unwohlsein
  • Reizbarkeit, depressive Verstimmung
  • Verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Bei manchen Menschen: erhöhte Empfindlichkeit gegen Infekte in den ersten Tagen

Die Symptome sind besonders ausgeprägt in den ersten 2–4 Tagen und klingen dann graduell ab.

Was hilft am besten gegen Jetlag?

Schon vor der Reise vorbereiten:

  • 3 Tage vor Abflug Schlafrhythmus schrittweise (jeweils 30–60 Min.) in Richtung Zielzeit verschieben
  • Bei Ostflug: früher ins Bett, früher aufstehen, morgens viel Licht
  • Bei Westflug: später ins Bett, später aufstehen, abends Licht

Während des Flugs:

  • Sobald an Bord: Uhr auf Zielzeit umstellen und mental einstellen
  • Viel Wasser trinken, Alkohol und Koffein meiden
  • Schlafen wenn es am Zielort Nacht ist, wach bleiben wenn es Tag ist
  • Augenmaske, Ohrstöpsel, Nackenkissen mitnehmen

Nach Ankunft:

  • Sofort auf die Ortszeit umstellen — auch wenn es schwerfällt
  • Tageslicht maximieren: der stärkste Zeitgeber überhaupt
  • Bei Ostflug: morgens unbedingt nach draußen, abends helles Licht meiden
  • Bei Westflug: abends so lange wie möglich Licht, morgens noch dunkel halten
  • Mahlzeiten zu den Ortszeiten einnehmen
  • Erst spät am Abend ins Bett, nicht zu früh — kein langes Mittagsschläfchen
  • Niedrig dosiertes Melatonin (0,5–1 mg) eine Stunde vor der Bettzeit kann Ostflüge erleichtern

Wer ist besonders anfällig für Jetlag?

  • Ältere Menschen erholen sich langsamer als jüngere
  • Eulen-Typen tun sich mit Ostflügen schwerer, Lerchen mit Westflügen
  • Häufige Vielflieger entwickeln teils chronische Rhythmusstörungen
  • Menschen mit bestehenden Schlafstörungen reagieren empfindlicher
  • Personen mit Schichtarbeit sind oft schon „vorgeschädigt“

Häufige Fragen zu diesem Begriff

Faustregel: etwa ein Tag Erholung pro überquerter Zeitzone, bei Ostflügen oft 1,5 Tage. Bei einem Flug über 6 Zeitzonen ist die volle Anpassung also nach 6–9 Tagen erreicht. Die ersten 2–3 Tage sind meist am intensivsten — danach klingen die Symptome graduell ab.

Ja, das ist die am besten belegte Indikation für Melatonin überhaupt. Dosierung: 0,5–1 mg etwa eine Stunde vor der gewünschten Bettzeit am Zielort, für 3–5 Tage. Bei Ostflügen meist wirksamer als bei Westflügen. Höhere Dosen bringen keine bessere Wirkung, nur mehr Nebenwirkungen.

Nur, wenn es am Zielort gerade Nacht ist. Wer auf einem Tagesflug nach Westen schläft, „verschwendet“ Anpassungszeit und kommt am Ziel müde an, ohne in der Folgenacht gut schlafen zu können. Bei Nachtflügen Richtung Osten umgekehrt: möglichst viel schlafen, damit man am Zielort morgens wach starten kann.

Sie können kurzfristig die Müdigkeit überdecken, lösen den eigentlichen Jetlag aber nicht — und können sogar schaden: Koffein am Abend verzögert die Anpassung der inneren Uhr und macht das Einschlafen schwerer. Besser: kurzes Tageslicht-Bad, kühles Wasser ins Gesicht, kurzer Power-Nap (max. 30 Min.).

Die Studienlage ist begrenzt, aber vielversprechend. Manche Forscher empfehlen, etwa 14–16 Stunden vor dem ersten Frühstück am Zielort zu fasten — das soll die innere Uhr durch die erste Mahlzeit am Zielort „resetten“. In der Praxis bewährt sich vor allem: leichte Kost, viel Wasser, regelmäßige Essenszeiten an der neuen Ortszeit ausrichten.

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