EEG (Elektroenzephalographie)

| Was | Messung der elektrischen Hirnaktivität |
|---|---|
| Erfinder | Hans Berger, 1924 |
| Anwendung Schlaf | Bestimmung der Schlafphasen, Diagnostik |
| Elektroden | 10–20-System (Standard) |
| Wellen-Bänder | Delta, Theta, Alpha, Beta, Gamma |
| Goldstandard für | Polysomnographie + Hypnogramm |
Welche Hirnwellen gibt es?
Hirnwellen werden nach Frequenz in Bänder eingeteilt — jedes ist typisch für einen anderen Bewusstseinszustand:
- Delta (0,5–4 Hz): Hochamplitudige Langsamwellen — typisch für Tiefschlaf (N3). Maximal regenerativ.
- Theta (4–8 Hz): Übergang zum Schlaf (N1), tiefe Meditation, kreative Phasen
- Alpha (8–13 Hz): Entspannter Wachzustand mit geschlossenen Augen
- Beta (13–30 Hz): Aktives Denken, Konzentration, Wachzustand
- Gamma (> 30 Hz): Hochkonzentrierte kognitive Verarbeitung
Im N2-Schlaf erscheinen zusätzlich charakteristische Muster: Schlafspindeln (kurze 12–14 Hz-Bursts) und K-Komplexe (große Wellen als Reaktion auf Reize).
Wie funktioniert eine EEG-Messung im Schlaflabor?
Bei der Polysomnographie werden meist 6–22 Elektroden nach dem internationalen 10–20-System auf der Kopfhaut platziert. Sie erfassen Spannungsschwankungen im Mikrovolt-Bereich — das Hirnaktivitäts-Signal.
Weitere Sensoren erfassen parallel:
- EOG: Augenbewegungen — wichtig für REM-Erkennung
- EMG: Muskelaktivität (Kinn + Beine) — Muskelatonie im REM, periodische Beinbewegungen bei RLS
- EKG: Herzfrequenz
- Atemfluss + Brustexkursion: für Apnoe-Erkennung
- Pulsoxymeter: Sauerstoffsättigung
Aus der Kombination dieser Daten entsteht das Hypnogramm — die grafische Darstellung der Schlafarchitektur über die ganze Nacht.
Was kann ein EEG diagnostizieren?
- Schlafapnoe: Aufwachreaktionen nach Atempausen
- Narkolepsie: ungewöhnlich frühe REM-Phasen (MSLT)
- Parasomnien: REM-Schlaf-Verhaltensstörung, Schlafwandeln
- Epilepsie: pathologische Spike-Wave-Muster
- Demenz-Frühformen: veränderte Schlafarchitektur
- Hirnverletzungen: Aktivitätsmuster-Veränderungen
- Veränderte Schlafarchitektur bei Depression, PTBS, Suchterkrankungen
Häufige Fragen zu diesem Begriff
Tut eine EEG-Messung weh?
Nein, EEG ist absolut schmerzfrei und nicht-invasiv. Die Elektroden werden mit einer leitenden Paste auf die Kopfhaut geklebt — manche empfinden das als leicht kühl oder ungewohnt. Nach der Untersuchung lässt sich die Paste mit Wasser auswaschen.
Wie lange dauert eine Polysomnographie?
Eine Standard-Schlafuntersuchung dauert eine komplette Nacht (6–8 Stunden Schlaf + Anfahrt). Die Elektroden werden abends angebracht (~1 Stunde), morgens wieder entfernt. Bei manchen Fragestellungen folgt am Tag der MSLT (Multipler Schlaflatenz-Test) mit 5 standardisierten Naps.
Schlafe ich im Schlaflabor genauso gut wie zuhause?
Die „First-Night-Effect“ ist ein bekanntes Phänomen: Die erste Nacht im Labor ist oft schlechter (weniger REM, mehr Aufwachphasen). Bei Verdacht auf schwerere Schlafstörungen wird daher manchmal eine zweite Nacht gemessen. Trotz Effekt sind die Daten meist diagnostisch verwertbar.
Kann ich ein EEG zuhause machen?
Tragbare EEG-Stirnbänder (Muse, Dreem) und Smartwatch-Sensoren liefern grobe Annäherungen. Diagnostisch wertvolle Daten brauchen aber Multi-Kanal-EEG nach 10–20-System — das geht aktuell nur im Schlaflabor oder mit ambulanter Polygraphie über Sanitätshaus.