Rhythmus

Lichttherapie

Papierschnitt: ein heller Keil schiebt eine Welle sichtbar aus ihrer Ausgangslage — Licht verschiebt die innere Uhr

Lichttherapie ist die gezielte Anwendung von hellem Licht zu einer festgelegten Tageszeit, um die innere Uhr zu verschieben oder die Stimmung zu heben. Sie nutzt aus, dass Licht der stärkste Zeitgeber des menschlichen circadianen Rhythmus ist. Eingesetzt wird sie bei saisonaler Depression, bei verschobenem Schlafrhythmus und bei Schichtarbeit.

Auf einen Blick
WirkprinzipLicht verschiebt die innere Uhr über die Netzhaut
GerätTageslichtlampe, üblicherweise mit 10.000 Lux angegeben
AnwendungMeist morgens, 20 bis 30 Minuten
EntscheidendDer Zeitpunkt — nicht die Dauer
Bei EulenMorgens hell, abends dunkel, um früher müde zu werden
Vorsicht beiAugenerkrankungen, bipolarer Störung, lichtsensibilisierenden Medikamenten

Warum der Zeitpunkt alles entscheidet

Licht wirkt auf die innere Uhr richtungsabhängig. Dieselbe Lampe verschiebt den Rhythmus nach vorn oder nach hinten, je nachdem, wann sie eingeschaltet wird:

  • Licht am Morgen zieht die innere Uhr nach vorn. Man wird abends früher müde und wacht früher auf.
  • Licht am Abend schiebt sie nach hinten. Man wird später müde — der Effekt, den Bildschirme ungewollt erzeugen.

Wer als „Eule“ abends nicht müde wird und morgens nicht hochkommt, braucht deshalb Licht am Morgen und Dunkelheit am Abend. Genau umgekehrt anzuwenden würde das Problem verstärken. Mehr zu den Typen unter Eulen-Typ und im Ratgeber Chronotyp herausfinden.

Anwendung in der Praxis

  • Direkt nach dem Aufstehen beginnen, wenn das Ziel ein früherer Rhythmus ist.
  • Nicht hineinsehen. Die Lampe steht seitlich vor einem, das Licht trifft die Augen indirekt. Lesen oder frühstücken ist dabei erlaubt und sogar sinnvoll.
  • Abstand beachten. Die angegebene Lux-Zahl gilt nur für einen bestimmten Abstand, meist einige Dutzend Zentimeter. Doppelter Abstand bedeutet deutlich weniger Licht.
  • Täglich, nicht sporadisch. Die innere Uhr reagiert auf Wiederholung. Eine Anwendung pro Woche bewirkt nichts.
  • Tageslicht schlägt Lampe. Ein Spaziergang am Vormittag liefert selbst an einem bedeckten Tag ein Vielfaches der Beleuchtungsstärke eines Wohnraums — und kostet nichts.

Wann ärztlicher Rat nötig ist

Lichttherapie ist gut verträglich, aber nicht harmlos:

  • Bipolare Störung — Lichttherapie kann manische Phasen auslösen und gehört hier in ärztliche Begleitung.
  • Augenerkrankungen wie Netzhautschäden oder ein grauer Star sollten vorher augenärztlich beurteilt werden.
  • Lichtsensibilisierende Medikamente — dazu zählen einige Antibiotika, Johanniskraut und bestimmte Psychopharmaka.
  • Anhaltende Niedergeschlagenheit gehört unabhängig von der Lampe abgeklärt. Eine Depression behandelt man nicht allein mit Licht.

Häufigste Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und gereizte Augen in den ersten Tagen; sie lassen meist nach oder verschwinden bei größerem Abstand.

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